Bund für Umwelt und Naturschutz e. V. (BUND)

Wiesenblume des Monats Juli 2018:
Wiesen-Platterbse (Lathyrus pratensis)


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Tankstelle für Hummeln und Falter

Die Wiesen-Platterbse ist wohl eine der häufigsten Platterbsen vor allem in artenreichen Glatthafer-Wiesen. Meist in größeren Beständen klettert sie mit zarten Blattranken die Grashalme empor und zeigt ihre blassgelben, als Traube angeordneten Blüten und feinen Blättchen. Sie blüht indes nur in spät gemähten Wiesen, deren erster Schnitt frühestens Mitte Juni erfolgt. Während der Heuernte, am besten erst im Juli, gehört das knackende Geräusch ihrer trocknenden, in der Hitze plötzlich aufspringenden Samenhülsen zur typischen Klangkulisse.

Die dichten Bestände der Art, die sich manchmal über mehrere Quadratmeter erstrecken, entstehen durch vegetative Ausläufer, die Samen für eine weitere Verbreitung reifen dagegen erst recht spät im Juli. Die Wiesen-Platterbse ist auf zumindest mäßig gut mit Nährstoffen versorgte, feuchtere Standorte angewiesen, sie wurzelt bis zu 1 Meter tief und vermag als Leguminose auch Luftstickstoff mit Hilfe des Bakteriums Rhizobium leguminosarum zu binden. Sie erschließt damit den Boden tiefgründig und hilft dadurch mit, das Bodenleben, den Humusgehalt und die gute Wasseraufnahme des Bodens zu verbessern.

Die Wiesen-Platterbse ist mit der Zaun-, der Vogel- und Kron-Wicke sowie dem Roten und Kleinen Klee eine wichtige Futterbasis gerade für die Hummelarten der Wiese. Hummeln sind typische Bestäuber der zygomorphen (spiegelsymmetrischen) Blüten, die bei manchen Arten wie der Wiesen-Platterbse oft erst mit einigem Kraftaufwand durch das bestäubende Insekt geöffnet werden können. Der Nektarraub durch in die Blüte gebissene, kleine Löcher ist ein Zeichen dafür, dass manche Insekten diesen Kraftaufwand nicht leisten wollen oder können oder ihr Rüssel für das Erreichen des Nektars sonst zu kurz wäre. Die Fremdbestäubung der Blüte durch das Insekt bleibt bei einem solchen "Raub" aus.

Neben der Bedeutung für Hummeln ist die Wiesen-Platterbse Futterpflanze vieler Schmetterlingsraupen, die das nährstoffreiche, aber auch bittere, vom Vieh eher gemiedene Laub zu nutzen wissen, z.B. der Senf-Weißling (Leptidea sinapis).

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Die BUND-Kreisgruppe Rhein-Sieg stellt jeden Monat eine typische Wiesenblume aus der Region vor. Das regionale Wiesen- und Weidenzentrum des BUND Rhein-Sieg-Kreis wird von der Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen (SUE) gefördert. Es hat das Ziel, den Blick für die allgegenwärtige Verarmung der heimischen Landschaft zu schärfen und im Gegenzug artenreiche Wiesen und Weiden wieder erlebbar zu machen.