Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e. V. (BUND)

Beinwell (Symphytum officinale)


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Anzeiger von Nässe und Nährstoffen

Der Gewöhnliche Beinwell wird 30 bis 100 cm hoch. Er wächst als kräftige Staude mit stark behaarten Stängeln und Blättern, typisch für ein Raublattgewächs, eine Boraginaceae. Bekannt aus dieser Familie sind z.B. der Borretsch, Vergissmeinnicht oder der Natternkopf. Wie die meisten Raublattgewächse ist der Beinwell für Insekten, insbesondere Hummeln, eine sehr attraktive Nektarpflanze.

Er bildet nickende Trugdolden mit purpurnen, rosa-violetten oder gelb-weißen Blüten. Diese breite Palette der Blütenfarbe ist recht ungewöhnlich. Die Blütenblätter sind miteinander verwachsen, so dass sie eine Röhre bzw. eine Glocke bilden. Die Pflanze wird wegen ihrer schwarzen Wurzeln auch Schwarzwurz genannt. Sie ist aber nicht mit der Gemüse-Schwarzwurzel verwandt oder gar identisch. Das ist wichtig, denn der Beinwell ist schwach giftig.

Die Pflanzen lieben stickstoffhaltige, feuchte Wiesen, Wegränder und Gräben. Sie zeigen nasse, oft verdichtete Böden an. Wenn sie auf Weiden vorkommen, werden sie vom Vieh nicht gefressen, leiden aber unter der Trittbelastung. Im Heu erschweren die dicken Stängel ein rechtzeitiges, gleichmäßiges Abtrocknen des Schnittgutes.

Der Beinwell blüht von Mai bis Juli und kann sich daher bei später Mahd gut aussäen. Häufige Mahd verträgt die Pflanze schlecht. Auf jüngeren Wiesen oder Weiden verrät sie mitunter eine Vornutzung als Acker, denn beim Pflügen zerrissene Wurzelstücke regenerieren sich erfolgreich zu neuen Pflanzen. Die Verdichtung des Bodens beim Pflügen und die gute Verbreitung im Acker zeigt sie dann im Grünland noch jahrelang an. Chemisch ist der Beinwell schwer zu bekämpfen.

Der Name Beinwell weist darauf hin, dass die Wurzel in der Heilkunde benutzt wurde. Man grub z. B. bei Beinbrüchen die Wurzel aus, brach sie entzwei, schiente sie dann und stellte sie in das Zimmer des Kranken. So sollte dessen Bein schneller wieder zusammenwachsen. Heute weiß man, dass die Wirkstoffe der Pflanze tatsächlich bei Prellungen, Zerrungen und Verstauchungen helfen können, ebenso bei Knochenverletzungen, jedoch nur direkt am Körper angewandt.

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Die BUND-Kreisgruppe Rhein-Sieg stellt in dieser Serie typische Wiesenblumen aus der Region vor. Mit ihrem Regionalen Wiesen- und Weidenzentrum will die Kreisgruppe den Blick für die allgegenwärtige Verarmung der heimischen Landschaft schärfen und im Gegenzug artenreiche Wiesen und Weiden wieder erlebbar machen. Das Wiesen- und Weidenzentrum wird von der Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen (SUE) gefördert.