Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e. V. (BUND)

Herbstzeitlose (Colchicum autumnale)


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Eine sehr giftige Schönheit

Die Herbstzeitlose oder auch Herbst-Zeitlose hat im Volksmund schier unendlich viele Namen, die nicht immer nett sind, wie Faule Grete oder Nackte Hur, weil sie zu faul ist, sich zur Blütezeit ein Blätterkleid zuzulegen. Sie wird aber auch Herbstlilie, Wintersafran und Michelsblume genannt.

Die Herbstzeitlose wächst meist auf feuchten, extensiv genutzten Wiesen und kann dort auch stellenweise hohe Dichten erreichen. Sie bevorzugt Ton- und Lehmböden. Sie gehört zur Artengemeinschaft der Pfeifengras- und Glatthaferwiesen.

Die Pflanze gehört zu den Liliengewächsen, die Blüte erscheint zwischen August und Oktober auf den Wiesen und ähnelt einem hell-lila Krokus. Sie hat aber anders als die meisten Krokusse zur Blütezeit keine Blätter. Die Blüten werden 5 bis 20 cm hoch, die unterirdische Knolle kann bis zu 7 cm lang werden. Erst im Frühjahr des folgenden Jahres schiebt die Herbstzeitlose für nur wenige Monate ihre lanzettförmigen bis ovalen, längsrippig gefalteten Blätter, die wie ein Trichter zusammenstehen und in deren Mitte sich die Fruchtkapseln entwickeln.

Die Herbstzeitlose ist stark giftig. Sie enthält Colchicin, welches ein Zellgift ist, das die Zellteilung verhindert. Der Name Colchicin ist abgeleitet von dem Ort Kolchis in Georgien, aus dem nach Euripides die Giftmischerin Medea stammt. Das Gift wirkt bei Menschen schon in sehr geringer Menge tödlich, aber auch bei fast allen Säugetieren und Vögeln. Schafe sind etwas resistenter als andere Säuger. Allerdings wird das Gift in die Milch von Kühen, Ziegen und Schafen transportiert und der Mensch kann sich auch über diese vergiften. Der Wirkstoff wird in der Medizin gegen akute Gicht verwendet, heilt diese jedoch nicht, sondern lindert nur. Im Mittelalter trugen die Menschen die Knolle der Herbstzeitlose um den Hals, um gegen die Pest gefeit zu sein. Leider war dies ein Irrglaube. Heute wird der Wirkstoff Colchicin in der Pflanzenzucht verwendet, da er zwar die Zellteilung, aber nicht die Chromosomenverdopplung verhindert. So entstehen Pflanzen mit mehreren Chromosomensätzen, die in der Regel größer und kräftiger werden.

Wiesen mit Herbstzeitlosen können nur sehr spät gemäht werden, da auch das getrocknete Kraut noch giftig ist. Erst wenn die Pflanze eingezogen hat, ist eine Mahd für Tierfutter überhaupt möglich. Insbsondere bei Pferdeheu sollte das Mähgut im Zweifel kompostiert werden. Eine Beweidung zur Ruhezeit der Pflanze im Hochsommer ist leichter möglich.

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Die BUND-Kreisgruppe Rhein-Sieg stellt in dieser Serie typische Wiesenblumen aus der Region vor. Mit ihrem Regionalen Wiesen- und Weidenzentrum will die Kreisgruppe den Blick für die allgegenwärtige Verarmung der heimischen Landschaft schärfen und im Gegenzug artenreiche Wiesen und Weiden wieder erlebbar machen. Das Wiesen- und Weidenzentrum wird von der Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen (SUE) gefördert.